Es ist ein ganz gewöhnlicher Dienstag.

Der Wecker klingelt. Der Tag beginnt. Vielleicht etwas zu früh, vielleicht mit dem Gefühl, eigentlich noch müde zu sein.

Noch bevor der erste Kaffee getrunken ist, laufen die Gedanken bereits los. Was muss heute erledigt werden? An welche Termine muss ich denken? Was braucht mein Kind? Was darf ich auf keinen Fall vergessen?

Der Tag nimmt Fahrt auf und wie so oft bleibt kaum Zeit, wirklich anzukommen.

Wenn Funktionieren zur Gewohnheit wird

Stattdessen geht es weiter. Von Aufgabe zu Aufgabe. Von Termin zu Termin. Von Verantwortung zu Verantwortung.

Abends ist vieles geschafft.  Und doch bleibt manchmal ein merkwürdiges Gefühl zurück. Nicht unbedingt eine große Krise. Nicht unbedingt Verzweiflung. Eher etwas Leises.

Eine Erschöpfung, die tiefer sitzt als Müdigkeit. Eine Traurigkeit, für die es vielleicht keinen konkreten Anlass gibt. Oder die Frage: Wann habe ich eigentlich zuletzt gespürt, wie es mir wirklich geht?

Viele Menschen erleben Momente, in denen sie plötzlich bemerken, dass sie zwar ihr Leben organisieren, darin aber selbst kaum noch vorkommen. Sie kümmern sich. Sie tragen. Sie begleiten. Sie halten zusammen. Und oft machen sie das sehr gut.

So gut, dass andere ihre Erschöpfung häufig gar nicht bemerken. Manchmal bemerken sie selbst sie lange Zeit nicht. Denn Funktionieren wird irgendwann zur Gewohnheit.

Man steht auf und macht weiter. Man schafft, was zu schaffen ist. Man stellt die eigenen Bedürfnisse zurück, weil gerade anderes wichtiger erscheint. Und irgendwann wird aus einer Ausnahme ein Zustand.

Die leise Entfernung von sich selbst

Was dabei oft verloren geht, ist nicht nur Energie. Es ist der Kontakt zu sich selbst. Die Fähigkeit wahrzunehmen:

Wie geht es mir eigentlich?

Was fühle ich gerade?

Was brauche ich?

Wo sind meine Grenzen?

Manche Menschen erschrecken fast ein wenig, wenn sie versuchen, diese Fragen zu beantworten. Nicht weil sie keine Antwort geben möchten. Weil sie merken, wie lange sie sich diese Fragen nicht mehr gestellt haben.

Vielleicht haben sie gelernt, stark zu sein. Vielleicht haben sie früh Verantwortung übernommen. Vielleicht gab es Phasen im Leben, in denen Funktionieren notwendig war. Und vielleicht hat genau diese Fähigkeit ihnen durch schwierige Zeiten geholfen.

Doch was einmal hilfreich war, kann irgendwann anstrengend werden. Vor allem dann, wenn das Funktionieren zur einzigen Art wird, mit dem Leben umzugehen.

Die Stimme des inneren Kritikers

In Gesprächen begegnet mir häufig noch etwas anderes. Eine innere Stimme. Eine Stimme, die selten freundlich ist. Sie sagt Dinge wie:

„Du müsstest das doch schaffen.“

„Andere bekommen das doch auch hin.“

„Stell dich nicht so an.“

„Reiß dich zusammen.“

Während wir Menschen, die uns wichtig sind, oft mit Verständnis und Mitgefühl begegnen können, behandeln wir uns selbst manchmal erstaunlich hart. Vielleicht, weil wir glauben, dass wir nur so weitermachen können. Vielleicht, weil wir Angst haben, stehenzubleiben. Vielleicht auch, weil wir verlernt haben, uns selbst zuzuhören.

Dabei beginnt Veränderung häufig nicht damit, noch mehr zu tun, sondern damit, einen Moment still zu werden. Wahrzunehmen. Zu spüren. Sich selbst zuzuwenden.

Gefühle müssen nicht sofort erklärt, verändert oder gelöst werden. Manchmal möchten sie einfach wahrgenommen werden. Traurigkeit möchte gespürt werden. Wut möchte ernst genommen werden. Erschöpfung möchte gehört werden. Nicht als Schwäche, sondern als Hinweis darauf, dass etwas in uns Aufmerksamkeit braucht.

Wenn wir beginnen, uns selbst wieder zuzuhören, entsteht oft etwas Neues. Wir lernen unsere Bedürfnisse besser kennen. Wir nehmen unsere Grenzen bewusster wahr. Wir entdecken vielleicht Seiten an uns, die lange keinen Platz hatten.

Und manchmal begegnen wir uns selbst mit etwas mehr Freundlichkeit. Mit etwas mehr Verständnis. Mit etwas mehr Wertschätzung.

Vielleicht müssen wir gar nicht zurück

Viele Menschen erzählen mir, dass sie sich zurücksehnen. Zu der Frau oder dem Mann von früher. Zu der Person, die sie einmal waren. Zu mehr Leichtigkeit. Zu mehr Energie. Zu einem vertrauten Gefühl von Lebendigkeit.

Ich kann diese Sehnsucht gut verstehen. Gleichzeitig frage ich mich manchmal, ob der Weg wirklich zurückführt. Denn die Frau oder der Mann von damals hat in einem anderen Leben gelebt. Vor den Kindern vielleicht. Vor einer Trennung. Vor Verlusten. Vor Erfahrungen, die geprägt und verändert haben.

Diese Version von uns existiert oft nicht mehr. Und vielleicht muss sie das auch nicht. Vielleicht besteht die eigentliche Aufgabe nicht darin, die alte Version wiederzufinden. Vielleicht geht es darum, die Person kennenzulernen, die wir heute sind. Mit allem, was das Leben mit uns gemacht hat. Mit unseren Stärken. Mit unseren Verletzungen. Mit unseren Bedürfnissen. Mit unseren Grenzen. Mit den Seiten, die lange keinen Platz hatten.

Vielleicht beginnt genau dort etwas Neues. Nicht Perfektion. Nicht Selbstoptimierung. Sondern Selbstakzeptanz. Wertschätzung. Ein freundlicherer Blick auf sich selbst. Und die Möglichkeit, das eigene Leben wieder mehr von innen heraus zu gestalten. Denn manchmal müssen wir gar nicht zu uns selbst zurückfinden. Manchmal dürfen wir uns neu begegnen.

Eine Einladung, sich selbst wieder näherzukommen

Vielleicht haben Sie beim Lesen bemerkt, dass manche Gedanken oder Gefühle Ihnen vertraut vorkommen. Vielleicht hat etwas in Ihnen genickt. Vielleicht war da auch Traurigkeit. Oder Erleichterung darüber, für etwas Worte zu finden, das sich schon lange bemerkbar macht.

Oft beginnt Veränderung nicht mit einer Entscheidung. Nicht mit einem Vorsatz. Und auch nicht mit dem Versuch, alles anders zu machen. Manchmal beginnt sie mit einem Moment des Innehaltens. Mit der Bereitschaft, sich selbst zuzuhören. Sich ernst zu nehmen. Und dem, was im Inneren längst da ist, Raum zu geben.

Aus diesem Gedanken heraus ist mein 8-Wochen-Programm „Raus aus dem Dauerfunktionieren“ entstanden.

Ein Zeitraum, in dem es nicht darum geht, noch mehr zu leisten oder sich weiter zu optimieren. Sondern darum, sich selbst wieder näherzukommen.

Über acht Wochen begleite ich Sie in sechs Einzelsitzungen à 50 Minuten. Zwischen den Gesprächen unterstützen Impulse und Reflexionsanregungen dabei, die Themen auch im Alltag weiterzubewegen.

Manche Gedanken entstehen erst beim Spaziergang. Manche Gefühle zeigen sich erst Tage später. Manche Erkenntnisse brauchen Zeit. Deshalb besteht während der gesamten Begleitung die Möglichkeit, über einen Messenger mit mir in Kontakt zu bleiben. Nicht, damit alles sofort gelöst werden muss. Sondern damit das, was sich zeigen möchte, nicht verloren geht.

Vielleicht ist dies kein Weg zurück zu der Person, die Sie einmal waren. Vielleicht ist es vielmehr eine Einladung, die Person kennenzulernen, die Sie heute sind.

Manchmal fällt es leichter, sich selbst wieder zu begegnen, wenn jemand den Raum dafür hält.

Dabei begleite ich Sie gerne.